Kategorien
Allgemein

artistic media vision 139

jana.wisniewski@drei.at

Das Abenteuer Kunst:

Versteckt, die Fassaden eingerüstet für eine Renovation, betritt man das FRANCISCO CAROLINUM in LINZ wie ein verwunschenes Schloß, außer der Dame an der Kasse und einem Aufseher niemand da, die Schritte hallen. Die Ausstellungen sind am Puls der Zeit, sehr gut gemacht, zeigen woher die Dinge kommen und wohin sie gehen.

Der Blick hinaus deutet die üppige historische Fassade an (und das Gerüst) nach innen drängt das „Metaverse“. Die neuesten Künste machen sich gut im historischen Ambiente. PROOF OF ART, eine kurze Geschichte der NFTs, von den Anfängen der digitalen Kunst bis zum Metaverse greift tief in Anfänge und bindet an bekannten Pionieren wie Herbert Franke, Nam June Paik und Lynn Hershman an. Der plötzliche Hype der NFTs am Kunstmarkt ist nur der „Aufhänger“ für die Ausstellung, die vor Ort, aber auch im Netz, das heißt einem Ableger, dem DFC Francisco Carolinum stattfindet, was auch in Zukunft Sinn macht für die Ausrichtung des Museums auf Fotografie und Medienkunst.

Nur kurz: NFTs sind eigentlich Echtzeitszertifikate für eine digitale Datei, die in der Blockchain hinterlegt werden; jetzt können sie auch als Beweis für Künstler und deren digitales Werk herangezogen werden. Die Blockchain wurde im Zusammenhang mit Bitcoin entwickelt, ist aber für alle Kryptowährungen eine Voraussetzung und hat sich jetzt auch über den Finanzsektor hinaus durchgesetzt.

Im Hintergrund dieser Installation, die sich mit der Blockchain auseinandersetzt, sind einige der kleinen, wie Logos aussehenden Crypto Art Werke mit ihren Zertifikaten ausgestellt – sie sind meistens nicht von als Künstler ausgebildeten Personen.

Einordnung, Neuordnung, Verständnis dieser Bewegung ist erst in Arbeit, daher leistet diese Ausstellung mit ihrem „woher kommt das alles denn her“ auch einen Bildungsauftrag.

Neben PROOF OF ART ist im gleichen Stockwerk noch eine Ausstellung von Parov Stelar zu sehen und hören; er ist vorwiegend Musikproduzent. Seine visuellen Arbeiten werden hier erstmals gezeigt; das paßt einfach weil er auch NFTs macht und diese auch Kurzclips/Videos sein können. Doch auch die großen Bilder haben ein Potential Zeitgeist einzufangen.

THE MYSTERIOUS WORLD: NATALIA LL

füllt den ersten Stock des Museums, Kunst von gestern und heute.

Diese Retrospektive der polnischen Künstlerin ist ebenso erfreulich wie Proof of Art weil sie Natalia LL nicht auf die frühe Feministin festschraubt, welche sie auch ist, aber nicht nur. Vor allem aber ist Natalia LL kein Fall für die Opferrolle. Schon die frühe Serie der „Consumer Art“ ist Kind der Zeit, ist als feministisch zu lesen, aber verspielt, frech, erotisch, ja unverschämt. Ihre Kunst mag ja politisch sein (das Private ist politisch) aber nicht politisiert, es gibt unterschiedliche Ansätze zu entdecken, so wie das Leben eben spielt. Großes Theater spielt sie gern, Opfer oder Täter, Erzähler und Visionär, Geschichte und Geschichten als Vorlage für ebenso persönliche wie allgemein gültige visuelle Manifestationen.